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Johannes Voutsinas (Giannis)

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22.04.2017

 

Emotionale Reise
Ein ganz persönlicher Blick auf die Vergangenheit

 

An diesem Samstag bin ich schon früh wach. Ich will in den Hafen und dort meine Foto-Tour fortsetzen. Doch daraus wird nichts. Es regnet und stürmt, so dass an Fotografieren nicht zu denken ist. Was nun? Scheinbar, hat das Schicksal heute Anderes mit mir vor.

 

Als meine Mutter und ich bei einer Tasse Kaffee in der Küche zusammensitzen, drückt sie mir völlig überraschend eine dicke Mappe in die Hand. Ich solle einfach mal in diese hineinschauen, meint sie. Möglicherweise wäre auch dort "Interessantes" für meinen Blog zu finden. Das weckt natürlich meine Neugierde. Noch ahne ich nicht, auf welch emotionale Reise in die Vergangenheit ich mich damit machen werde.

 

Vor mir liegt ein prallgefüllter, schwarzer Ordner. Er enthält alte Schrifstücke, Briefe und Fotoaufnahmen. Als erstes fällt mir dabei ein Bild meines Urgroßvaters in die Hände.

 

 

Er hieß Fritz Hoefs und lebte von 1875 - 1956. Als Ingenieur prägte er den Maschinen- und Schiffsbau in Bremerhaven entscheidend mit. Georg Seebeck, Begründer der weltbekannten "Bremerhavener Seebeck Werft", holte ihn 1911 in die Seestadt, wo er Direktor werden sollte.


Seine Verdienste um die Schifffahrt brachten meinem Urgroßvater zahlreiche Auszeichnungen. So auch diese von 1917:

 

 

Als er 1956 verstarb, widmete die Bremerhavener Tageszeitung im sogar einen großen und ausführlichen Artikel:
 

 

Beim Blättern in der Mappe erinnere ich mich an meine Oma. Sie sprach viel von ihrem Vater und meine Mutter tat dieses auch. Sie nannte ihn liebevoll, "Opa Hoefs".


Ich selber hatte nie einen Großvater. Es gab allerdings ein Foto, welches ihn zeigte. Es hing im Eßzimmer meiner Oma. Für sie war es der stille Ort ihres Gedenkens. Unter dem Bild befand sich eine Vase, welche immer eine frische Blume enthielt.

Von meinem Opa hatte ich immer nur dieses eine Bild im Kopf. 40 Jahre lang kannte ich ihn nur als jungen Mann und Soldaten, so wie auf dieser eine Aufnahme abgelichtet. Und nun, heute Morgen in der Küche, da halte ich plötzlich seinen Personalausweis in den Händen, ausgestellt am 30.Juni 1924.
 

 

Ich muss gestehen, beim Öffnen des Ausweises zittern mir die Finger. Auf einem kleinen Stück Papier findet sich die Identität eines ganzen Menschen. Zum ersten Mal sehe ich meinen Großvater ohne die häßliche Soldatenuniform. Sympathisch schaut er aus.

Ludwig Martin lebt mit meiner Oma und deren Kindern u.A. in Elsaß-Lothringen, genaur in einer kleinen Stadt namens "Sierck".

 

Das für mich "Verrückte": Dort bin ich schon gewesen. Als Schüler. In der 10.Klasse ging es auf Abschlussfahrt für mich nach Saarburg und an einem Tag auch mit dem Bus ins französische Verdun! Dieser fuhr, zu meiner Überraschung, dann plötzlich durch den Geburtsort meiner Mutter.

 

Auch meine Tante Hildegund und ihr Bruder Fritz waren Jahre später noch einmal hier. Gemeinsam suchten sie das Haus ihrer Eltern, fanden es und sprachen sogar mit den heutigen Besitzern.

Doch zurück zu meinem Opa. Das Leben meiner Großeltern wäre ein glückliches gewesen, hätte es den zweiten Weltkrieg nicht gegeben. Nur durch ihn, wurde aus dem Oberstudiendirektor, Dr. Ludwig Martin, plötzlich der kämpfende Soldat an der Front.

 

Im Mai 1944 wurde meine Mutter geboren. Wenige Monate später kehrte mein Opa noch einmal für einen kurzen Heimaturlaub nach Sierck zurück. Er wollte seiner Familie bei der Flucht zurück zu den Eltern nach Bremerhaven helfen. So kam meine Oma mit ihren Kindern im Haus meines Urgroßvaters (siehe oben) unter. 

 

Sicherheit sollte das allerdings nicht bedeuten. Im September 1944 wurde Bremerhaven von schweren Bombenangriffen getroffen. Dabei wurde meine Oma von einem herabfallenden Schornstein auf dem Rücken schwer verletzt und musste ins Krankenhaus. Die Kinder kamen nun zunächst bei einer Tante in Varel unter, danach in Bremen und später bei ihrem Onkel in Eisenberg. Meine Oma kehrte im Februar 1945 aus dem Krankenhaus zurück.

Mein Opa kämpfte derweilen weiter an Front.  Von hier aus schrieb er seinen Lieben in Eisenberg rührende Karten, wie sie ein Vater wohl kaum herzlicher und liebevoller verfassen kann.

 

 

Als er am 23.Februar 1945 die folgenden Zeilen an die "lieben Kinder" schreibt, ist meine Mutter nicht einmal 1 Jahr alt. Davon, dass er sein Baby und die anderen Kinder vermisst, schreibt er kein Wort. Er erkundigt sich lieber nach den schulischen Leistungen meiner Tante und meines Onkels. Außerdem hofft er, dass auch meine Tante Erika sich an ihrer neuen Schwester erfreut.

Selber Soldat gewesen und heute Vater, läuft mir beim lesen dieser Karte, ein Schauer über den Rücken! Mit wieviel Herz dieser Mann schreibt und welche Gedanken er sich macht. Mein Großvater hätte nach Hause gehört, an die Seite seiner Familie, nicht an die Front und in einen unnützen Krieg.


Die Kinder vermissen ihren Vater, besonders mein Onkel Fritz, der damals zurück schreibt:

 

 

Als am 27. März 1945 die folgenden Zeilen entstehen, mein Opa bereits nicht mehr am Leben. Er wird nicht aus dem Krieg zurückkehren und meine Oma, sie wird statt ihrem Mann, einen furchtbaren Brief erhalten, der das Schicksal einer ganzen Familie besiegelt.

 

 

Was für ein Schreiben! Wie muss meine Oma sich wohl gefühlt haben, als sie dieses bekommen hat? Und wie furchtbar, das Sterben eines Soldaten an der Front als "Heldentod" zu bezeichnen! Viele Jahre später wird mir beim Lesen dieses Briefes schlecht! 

Diese Mappe hat es wirklich in sich. Hinter dem Brief findet sich ein Bericht von der Leichenschau. Vielen Zahlen, wenige Fakten, das Leben und Sterben eines Menschen, festgehalten in wirren Daten.

 

 

Nach Ende des Krieges ist meine Oma Kriegerwitwe. Mit ihren Kindern ist sie Vertriebene. Lothringen ist nun Teil Frankreichs und auch Thüringen muss sie wieder verlassen. Nun geht es zurück in ihrer Heimatstadt nach Bremerhaven. Eine Unterkunft findet die Familie in einem kleinen Vorort namens Schiffdorf. In der Seestadt selbst ist nach der Ausbombung kaum Wohnraum mehr zu finden. Erst 1950 hat die Odysse endlich ein Ende. Das Bild unten zeigt den Vertriebenausweis meines Onkels. 

 


Derweilen wird in Deutschland die so genannten "Entnazifizierung" vorangetrieben! Eine Maßnahme für die bei meiner Oma und ihren Kindern, Gott sei Dank kein Bedarf besteht:

 


Einige werden sich nun sicher fragen, warum ich all das geschrieben und auf meinem Blog geteilt habe. Nun es gibt durchaus einen fotografischen Aspekt dafür, denn mit einem Handy ist es heute sehr einfach, alte Schriftstücke abzufotografieren oder zu scannen! Sollte ihr selber solche besitzen, dann kann ich euch nur empfehlen, sie wirklich für die Nachtwelt zu digitaliseren und unsterblich zu machen.

 

Wichtiger als die Fotografie, sind für meine heutigen Zeilen, sicher aber die menschlichen Beweggründe. Wir leben in einer Zeit, in der es an vielen Ecken auf der Welt knallt. In Arabien fliegen die Fetzen, in Nordkorea rüsten zwei Weltmächte um die Wette und in Afirka herrscht vieler Orts "Bürgerkrieg".

Haben wir wirklich so wenig aus unserer Gesichte gelernt? Jeder Krieg kostet tausende von Leben. Gewinner gibt es nie und jeder Tote steht für ein trauriges Einzel-Schicksal!

Ich bin meiner Mutter sehr dankbar dafür, dass sie mir heute diese Mappe gezeigt hat, mit noch sehr viel mehr, als ich hier und jetzt auf meinem Blog zeige. Ich bin tief davon berührt und wenn es heute einmal weniger um Fotografieren ging, dann denke ich, war auch dieses richtig. Es ging um meine Familie und ihr Schicksal, um Bremerhaven und die Erkenntnis: "Nie wieder Krieg".

 

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Johannes Voutsinas, Beckestr. 43, 58239 Schwerte - (02304) 250 14 15